Ein Neuanfang

Wir – Lena Stadler, Simeon Frei, Zasou Papatheodorou und Roger Gafner – sind das neue Team rund um die Offene Jugendarbeit der Gemeinde Muttenz.





Seit Juni hat sich Roger Gafner wieder in die Tiefen des Jugi-Alltags gekniet. Im September kam Zasou Papatheodorou dazu. Zusammen mit einem Interims-Team konnten sie die Jugendlichen empfangen und schon erste scheue Seitenblicke auf zukünftige Projekte werfen. Im Oktober war es dann endlich so weit: Das Team war wieder komplett. Mit Lena Stadler und Simeon Frei (i.A.) kamen zwei weitere lebendige Sozialarbeitende mit Lust auf …ja was eigentlich? Was macht Mensch in so einem Jugendhaus? Den ganzen Tag «Töggele» und «Gamen», einfach ein bisschen spielen und abhängen? Das ist wohl die vorherrschende Meinung. Aber stimmt das wirklich?


Verantwortung für den Raum und Mitmenschen übernehmen

In Wirklichkeit geht es um viel anderes. Von aussen mag es nach Spielen aussehen. Dabei geht es darum, eine gemeinsame Kultur zu erschaffen, mitzugestalten und tatsächlich auch mitzuentscheiden. Dinge, für welche Kinder und junge Erwachsene in unserer Gesellschaft nur selten die Möglichkeit bekommen. Langsam dürfen die Besuchenden lernen, echte Verantwortung zu übernehmen. Wir erarbeiten im Jugendhaus ein Zusammenleben, wo wir auch gemeinsam Verantwortung für den Raum und unsere Mitmenschen übernehmen. Das heisst, dass wir Jugendarbeitenden nicht bestimmen, sondern die Kinder und Jugendlichen partizipativ in die Entscheidungsfindung miteinbeziehen. Nicht mit Druck und Macht, sondern mit stetigem neuem Aushandeln. Das heisst, dass nicht nur wir sagen dürfen: «So, jetzt reichts. Es ist mir zu laut hier. Das mag ich nicht», sondern eben auch unsere jungen Besuchenden den Alltag im Jugendhaus mitbestimmen dürfen. Gemeinsam handeln wir aus, was wir hier möchten und was nicht.

Kinder, Jugendliche und Regeln – funktioniert das? Gemeinhin könnte vermutet werden, dass junge Menschen diese wohl eher über Bord werfen und wie ein Wirbelsturm alles im Chaos versinken lassen. Unsere Erfahrung zeigt etwas anderes: Meist sind die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen viel strenger, was Regeln angeht. Im Alltag merken wir dann gemeinsam, was zu sehr einschränkt, was zu unklar formuliert war und was wirklich sinnvoll ist. Es scheint andere Vereinbarungen für das Zusammensein zu brauchen. Und so wird es erneut ausgehandelt.


Kultur des gemeinsamen Aushandelns

Eine Kultur des gemeinsamen Aushandelns, Ausprobierens und Lernens. Wir zeigen, dass es nicht nur schwarz und weiss gibt. Herumtoben ist nicht grundsätzlich verboten. Aber wenn es jemandem zu viel wird, nehmen wir darauf Rücksicht, egal wie jung oder alt. Am Handy hängen ist nicht grundsätzlich schlecht. Wir setzen uns gemeinsam damit auseinander, was ein gesunder Umgang ist, und geben die Möglichkeit, das Handy auch mal zur Seite zu legen. Das bedarf einer hohen Selbstreflexionskompetenz der jungen Menschen und auch des Teams. Übrigens: Für manche Spielgegenstände müssen unsere Besuchenden ein Depot abgeben. Der häufigste Gegenstand, der abgeben wird, ist das Handy – auch wenn dadurch mal ein Anruf von Mama oder Papa verpasst wird. Oops!

Im Jugendhaus geht es darum, in einem geschützten Rahmen zu lernen, wie ich mich zurechtfinden, durchsetzen und andere verstehen kann. Es geht darum, Verantwortung für diesen gemeinsamen Raum zu übernehmen und diese auch nach draussen zu tragen. Natürlich können wir nicht einfach sagen: «So, ihr entscheidet hier jetzt selber – macht das unter euch aus.» Aber wir können Möglichkeiten anbieten, langsam in dieses «Selbstverantwortung» hineinzuwachsen. Wir als Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter tragen zwar die Hauptverantwortung, aber damit geben wir nicht den Ton an. Vielmehr sind wir wie die äusserste Schicht. Die Schicht, die die Verbindung von draussen und drinnen ist. Die Instanz, die den Raum hält, in dem Wachsen möglich ist.


Jugendhaus ist ein kleines Biotop

Die Angebote der offenen Jugendarbeit und somit das Jugendhaus und die mobile Jugendarbeit sowie viele Projekte, sind für alle gedacht. Es gibt keine Zugangs-Anforderungen, keinen Notenschnitt, keine Ziele zu erfüllen, kein wenn-dann und vor allem keine Erwartungen an die Kinder und Jugendlichen, welche zu erfüllen sind. Das Jugendhaus bietet einen sicheren Ort für Mitwirkung, Sozialisation, Beteiligung und angewandte Demokratie. Die Jugendarbeitenden dürfen die jungen Menschen auf dem Weg zur Selbständigkeit und Selbstentfaltung begleiten. Das Jugendhaus ist wie ein kleines Biotop. Ein Abbild der Gesellschaft da draussen, in die diese jungen Menschen hineinwachsen – einfach im Mini-Format. Ein Ort, um sich auszuprobieren und viele Fehler zu machen. Zum Lernen und natürlich auch zum Töggelen, Gamen und gemeinsam abzuhängen.



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